„Ik maak dat to geern“ – Die Porzellanfrau Karola Tjarks

Upschört, am Auricher Weg, mittwochvormittags kurz nach Zehn. Ein handgemaltes Schild mit dem Bild einer Teetasse und einer Teekanne mit der Ostfriesenrose und der Aufschrift „Porzellanscheune“ an der Straße lädt uns ein, einen Stopp zu machen.

Ein handgemaltes Schild mit dem Bild einer Teetasse und einer Teekanne mit der Ostfriesenrose und der Aufschrift „Porzellanscheune“ an der Straße lädt uns ein, einen Stopp zu machen.

Beim Betreten der Scheune weiten sich erst einmal die Augen vor lauter Staunen. Porzellan wohin man schaut, liebevoll aber durchdacht auf unzähligen Tischen und Regalen angeordnet, ein wahrer Augenschmaus, auch für Laien.

Begrüßt werden wir per Handschlag von Karola, die uns herzlich einlädt, uns in der Scheune umzuschauen und zu stöbern. Und wahrlich, es lohnt  sich einmal richtig Zeit zu nehmen und dabei immer wieder Dinge zu entdecken, die oftmals an die eigene Kindheit erinnern. Ob es jetzt das Teegeschirr ist, welches die Oma schon immer sonntags auf den Tisch brachte, die „Pülli“, eine Wärmflasche die man früher als Kind zum Wärmen mit ins Bett bekam, oder die Sammeltasse, die auch die Mama in der Vitrine hatte.… immer wieder wird ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Karola (70) ist die Porzellanfrau, die all dies möglich macht.

Begonnen hat alles damit, dass sie schon immer gerne Flohmärkte besuchte, um hauptsächlich gesammeltes Porzellan zu verkaufen. Natürlich wurde dann auch das ein oder andere Service gekauft und im Laufe der Zeit wurde das Sortiment so vielfältig, dass Karolas Mann Johann den hauseigenen Stall aus dem Jahre 1936 umbaute und so mit seiner Frau die Trödelscheune schuf.

Ihr Sortiment ist vielfältig, in den Regalen und auf den Tischen reihen sich Tassen, Untertassen, Kuchenteller und oft auch weiteres dazugehöriges Geschirr aneinander. Es erschließt sich weiter über Gartenkeramik, Fahrräder, Tupperware und Haushaltswaren. Verschiedenste Marken von Porzellan sind hier zu finden, Bavaria, Rosenthal, Villeroy & Boch, Hutschenreuther, Tirschenreuth, Thomas, Arzberg, Seltmann Weiden, Kahla und andere Marken sind vertreten. Wer ein Tee Service oder auch nur eine einzelne Tasse oder Untertasse sucht, ist bei der Porzellanfrau genau richtig. Selbst, wenn sie die gewünschten Stücke nicht im Laden hat, notiert sie sich gerne Modell und Hersteller, um sich für den Kunden danach umzuschauen.

Mittlerweile besucht Karola kaum noch Märkte. Durch die Mund zu Mund Propaganda hat sie sich einen Namen gemacht und oftmals bringen Kunden Porzellan und andere Schätze, von denen sie sich trennen möchten und die in gute Hände kommen sollen, vorbei. Manchmal wird sie auch über Haushaltsauflösungen informiert, die sie dann gerne besucht. Karola entscheidet sich oft nur für die schönsten und edelsten Stücke und versucht einen für alle Parteien fairen Preis auszuhandeln, wobei sie betont, dass sie versucht recht günstig einzukaufen und mit einem sehr geringen Aufschlag das edle Porzellan wieder anzubieten. Ihr geht es nicht um den Gewinn, sondern darum, die Besucher ihrer Porzellanscheune glücklich und zufrieden zu machen. Am meisten Freude macht ihr mit bekannten aber auch neuen Menschen ins Gespräch zu kommen. Oftmals entwickeln sich langjährige Freundschaften, weil die Chemie einfach stimmt.

Besonders erfreulich, so Karola, sei die Entwicklung, dass auch immer mehr junge Leute sich auf die Porzellankultur zurückbesinnen. Oftmals möchten diese von der Wegwerfgesellschaft weg und legen immer mehr Wert auf die althergebrachte Tischkultur. Oder warum muss es immer ein Blumenstrauß zum Besuch sein? Eine schöne Sammeltasse ist doch auch ein wunderschönes Geschenk. Immer mehr, sowohl Jung, als auch Alt sind im Besitz von schönen Porzellanstücken, suchen Ersatz  für zerbrochene Teile oder eine Ergänzung dazu. Die Stücke, mit der Teerose und den feinen Linien auf dem Porzellan, sind außerdem Teil der ostfriesischen Kultur und der Besitz ist bei den jungen Leuten längst wieder in Mode gekommen.

Auch wir haben das ein oder andere schöne Stück entdeckt und planen einen weiteren Besuch fest ein. Dies ist jeweils montags und mittwochs von 09.00 bis 18.00 Uhr möglich, denn dann hat die Trödelscheune von Karola geöffnet.

Wir werden von Karola an der Tür verabschiedet und beim Wegfahren winkt sie uns noch freundlich hinterher. Wir haben die kleine Auszeit vom Alltag sehr genossen und auch Karola hat im netten Gespräch einen sehr passenden Satz auf Platt gesagt: „Ik maak dat to geern“ (Plattdeutsch für: „Ich mache das zu gerne“) Es ist die pure Freude, an dem was sie tut. Und auch wir kommen zu gerne wieder.

Trödelscheune „Alles und gut“
Karola Tjarks
Upschört
Auricher Weg 27
26446 Friedeburg
Tel.: 04948/1000

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