Der „heimliche Hafenmeister“ mit kölschem Charme

Die „Anne-Berta“ und Herbert Marx, das Traditionsschiff und ihr Besitzer, sind aus dem historischen Museumshafen im Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel nicht mehr weg zudenken. Herbert Marx wohnt seit 2001 in Carolinensiel, zuvor lebte er in Köln. Teetied hat für euch mit ihm geschnackt.

Früher lag Carolinensiel direkt am Meer. Davon zeugt heute noch der Museumshafen im Ortskern. Zu seiner Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert war er der zweitgrößte ostfriesische Siel – und Handelshafen. Heute ist er mit den hier vor Anker liegenden traditionellen Plattboden-Seglern und dem historischen Gebäudeensemble des Sielhafenmuseums ein Ort mit besonderem Charme und maritimen Flair.

Frage: Herr Marx, in einem Fernsehbeitrag des NDR werden Sie als „heimlicher Hafenmeister von Carolinensiel“ beschrieben. Stimmen Sie dem zu?
Herbert Marx: Ja, das hat der NDR erfunden. Mittlerweile stimme ich dem zu. Aber man muss es sich in unseren Museumshafen anders vorstellen, als in einem normalen Yachtclub. Wir haben hier keine Satzung oder so etwas. Hier regelt man alles untereinander. Viele Besitzer der Traditionssegler wohnen auswärts. Die sind glücklich, wenn hier einer nach den Schiffen schaut –und ich bin ja beinahe täglich hier.

Frage: Wie ist denn das Verhältnis zu den Schipper-Kollegen?
Herbert Marx: Hier hilft jeder jedem. Meine Mastspitze ist zum Beispiel mal abgebrochen – da habe ich von einem Kollegen eine Lerche aus dem Wald bekommen und habe mir einen neuen Mast gebaut. Da war ich selber erstaunt, dass ich einen Mast bauen konnte. Aber auch bei Motorproblemen hilft man sich gegenseitig. Das ist Ehrensache. Im Notfall fährt man raus und schleppt den anderen ab.

Frage: Aber Sie sind nicht nur als „heimlicher Hafenmeister“ aktiv, auch als Museumslotse trifft man Sie hier. Was machen Sie dort genau?
Herbert Marx: Das stimmt, als Museumslotse mache ich für das Deutsche Sielhafenmuseum Hafenführungen in Harlesiel. An Aktionstagen im Hafen findet man mich außerdem auf der „Gebrüder“. Dort bringe ich Kindern das Binden von Knoten bei oder erzähle ihnen Geschichten. Und das ist auch das, was mir besonders Spaß macht: der Umgang mit Menschen und natürlich, wie es sich für einen gebürtigen Rheinländer gehört, das Erzählen.

Frage: Was macht den Museumshafen mit seinen Schiffen und dem Museum für Sie zu einem besonderen Ort?
Herbert Marx: Das Ambiente des Hafens, die Traditionssegler in Verbindung mit dem Ensemble der Häuser. Das lässt einen die Geschichte des Ortes und des Hafens erahnen.

Frage: Haben Sie eine ungewöhnliche Begebenheit parat, die Sie in Carolinensiel erlebt haben?
Herbert Marx: Da fällt mir spontan eine Geschichte vom Denkmaltag ein. Ich war auf der „Gebrüder“, ein kleines Mädchen mit einem Eis in der Hand fragte mich, ob es in die Kajüte dürfte. Ich antwortete, sie müsste erst das Eis aufessen. Postwendend drückte sie das Eis ihrer Mutter in die Hand, stellte sich an die Reling und rief laut: “Leinen los, ihr Landratten!“ Das gesamte Schiff, das zu der Zeit voll mit Menschen war, war plötzlich ruhig – und schaute, ob wir noch angebunden waren (lacht).

Frage: Sie sind in Carolinensiel als „Gurken-Herbert“ bekannt. Woher kommt dieser Name?
Herbert Marx: Ich bin an der Küste von Emden bis Bremerhaven als Gurken-Herbert bekannt. Den Namen hat man mir gegeben, weil ich zu den verschiedensten Festen Gurken von meinem Schiff verkaufe. Das hat mir auf Hafenfesten richtige Sahne-Liegeplätze beschert. Da lag ich teilweise mit meinem kleinen Schiff neben der „Alexander von Humboldt“ in Bremerhaven und habe meine Gurken verkauft.

Frage: Wie zuvor erwähnt, besitzen Sie auch ein in Carolinensiel beheimatetes Schiff. Wie viel Arbeit steckt in einem solchen Traditionsschiff?
Herbert Marx: Das bedeutet natürlich sehr viel Arbeit, man muss jedes Jahr dabei bleiben, um den Zustand zu halten. Dazu gehört lackieren, schleifen und vor allem die Rostbekämpfung. Jeder Segler hat seinen eigenen „Hexenpiss“. Man sagt sich, wenn man das Mittel verwendet, rostet es nie wieder …

Frage: Was unterscheidet das Leben am Meer vom Leben am Rhein?
Herbert Marx: Hier ist Mee(h)r Wasser, mit Doppel-E und mit H. (lacht)

 

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